Warum Barrierefreiheit ein Teil von nachhaltigen Events ist
Wenn wir über Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen sprechen, denken wir oft zuerst an Müllvermeidung, regionale Verpflegung oder die Anreise mit den Öffis. Doch soziale Nachhaltigkeit ist genauso wichtig. Unser Jahresthema 2026 „Tirol im Wandel – gerecht, mutig, miteinander“ erinnert daran: Klimaschutz funktioniert nur, wenn niemand zurückgelassen wird. Menschen mit Einschränkungen oder besonderen Bedürfnissen müssen die gleichen Chancen haben, an Veranstaltungen teilzunehmen und Informationen zu verstehen.
Barrierefreiheit in der Kommunikation heißt, Informationen so zu gestalten, dass alle sie verstehen können. Das betrifft nicht nur Menschen mit dauerhaften Behinderungen wie Seh- oder Hörprobleme, sondern uns alle:
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Die Person mit gebrochenem Arm, die die Maus nicht bedienen kann
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ältere Gäste, deren Sehkraft nachlässt
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Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist
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oder den User, der in der prallen Sonne am Smartphone das Programm liest
In Österreich haben etwa 15–20 % der Menschen zeitweilige Einschränkungen. Rund eine Million Menschen hat Probleme, komplexe Texte zu verstehen. Barrierefreie Kommunikation sorgt also für mehr Gerechtigkeit, stärkt eure Reichweite, euer Image und das Gemeinschaftsgefühl. Einfache Sprache ohne Fachbegriffe macht Texte für alle leichter lesbar.
5 Tipps für eure Event-Kommunikation
Barrierefreiheit ist kein „Nice-to-have“. Es ist ein Menschenrecht (UN-Konvention) und für viele Unternehmen seit 2025 gesetzlich verpflichtend (Barrierefreiheitsgesetz, BaFG). Mit diesen Tipps könnt ihr eure Event-Kommunikation einfach und effektiv verbessern:
1. Einfache Sprache: Keep it short and simple (KISS)
Verzichtet auf Fachbegriffe und lange Schachtelsätze.
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Das Wichtigste zuerst: Wer, was, wann, wo?
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Kurze Sätze statt Schachtelsätze
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Fachbegriffe erklären
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Aktiv statt Passiv: „Wir freuen uns auf euch“ statt „Es wird sich auf euer Kommen gefreut“.
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Struktur schaffen: Klare Überschriften, Absätze und Aufzählungen
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Zahlen als Ziffern schreiben (z.B. „12“ statt „zwölf“)
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Check: Würde ein 10-jähriges Kind den Text verstehen?
2. Bilder für alle sichtbar machen (Alternativtexte)
Screenreader sind Vorleseprogramme für blinde Menschen. Sie lesen den Alternativtext (Alt-Text) vor.
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Beschreibt kurz und prägnant, was auf dem Bild zu sehen ist (z.B. „Zwei Personen pflanzen gemeinsam einen Baum“).
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Dekorative Bilder und Grafiken brauchen keinen Alt-Text.
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CMS wie WordPress oder Social Media haben dafür ein Feld („Bildbeschreibung“)
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Bei Videos Untertitel verwenden
3. Farben, Design und Bildsprache:
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Infos nicht nur über Farben vermitteln (wichtig für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche)
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Kontraste: Heller Hintergrund, dunkle Schrift, gute Lesbarkeit. Kontraste lassen sich mit Tools wie TPGi Color Contrast Checker prüfen
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Typografie: serifenlose Schrift, mindestens 16 Pixel, 1,5-facher Zeilenabstand (z.B. Arial oder Helvetica)
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Formatvorlagen: Nutzt echte Überschriften (H1, H2 als Formatvorlagen), statt Text nur fett zu markieren.
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GIFs (bewegte Bilder) sparsam einsetzen, keine zu schnellen Animationen
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Word: Funktion „Barrierefreiheit prüfen“ nutzen
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Links sollen aussagekräftig sein: Statt „Hier klicken“ schreibt besser „Zum Programmheft (PDF)“.
4. Social Media mit Weitblick
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Hashtags: Nutzt die Groß- und Kleinschreibung für jedes Wort, damit Screenreader sie richtig vorlesen können: #EventsMitWeitblick statt #eventsmitweitblick.
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Videos: Bietet immer Untertitel an. Viele Menschen schauen Videos ohne Ton – und für Gehörlose sind sie essenziell.
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Emojis: Nutzt sie sparsam. Ein Screenreader liest jedes Emoji vor („Gesicht mit Freudentränen“).
5. Digitale Hilfsmittel nutzen
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Testet eure Website mithilfe von assistiven Technologien wie Screenreader (JAWS, NVDA, VoiceOver) und Vergrößerungssoftware
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Nutzt Browser-Add-ons, um die Barrierefreiheit zu prüfen (z. B. WAVE)
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Navigation per Tastatur testen
Barrierefreiheit zahlt sich aus
Fazit: Mutig vorangehen! Barrierefreiheit umzusetzen braucht am Anfang etwas Umdenken, aber es lohnt sich. Eure Texte werden verständlicher, eure Website besser nutzbar und euer Event zu einem Ort, an dem sich wirklich jede:r willkommen fühlt. Ganz im Sinne unseres Jahresthemas: Gerecht, mutig, miteinander.
Wir bei Green Events Tirol arbeiten laufend daran, unsere eigene Kommunikation und Barrierefreiheit zu verbessern.
Weiterführende Links & Tools:
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Nutzt KI-Tools mit dem Prompt: „Formuliere diesen Text in einfache Sprache um. Verwende keine Fachbegriffe oder lange Sätze. Schreibe so, dass ein 10-jähriges Kind den Text leicht verstehen kann." (Hinweis: KI-Tools verbrauchen viel Strom und Wasser, daher bitte bewusst und sparsam einsetzen!)
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Newsletter-Empfehlung für mehr Bewusstsein: „Newsletter Andererseits“
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Infos und Beratung: Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs (Newsletter)